Geschichte und Entstehung des Museums

Geschichte des Museums

Das Freilichtmuseum Vysočina, das bis 2018 den Namen „Volksarchitektursammlung Vysočina“ trug, ist eines der führenden Freilichtmuseen für Volksarchitektur in Tschechien. Es ist die größte Anlage dieser Art in Böhmen.

Bereits Mitte der 1960er Jahre wies Dr. Jaroslav Herout auf die außergewöhnliche Vielfalt wertvoller Denkmalobjekte im Dorf Vysočina bei Hlinsko hin. Zur gleichen Zeit begann Herr Luděk Štěpán, der Gründer des Museums, die ersten Erkundungsarbeiten zum besseren Verständnis des Reichtums der Volksarchitektur in dieser Region durchzuführen. In seinem Kopf keimte die Idee, auf Veselý Kopec eine Ausstellung der Volksarchitektur zu errichten. 1972 wurde der erste Raum – eine Weberstube – in dem ursprünglichen Gehöft Nr. 4 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Anschließend wurden weitere, für die Region der Böhmisch-Mährischen Höhe typische Gebäude übertragen und erneuert.

In den folgenden Jahren gewann das Volksarchitekturareal Veselý Kopec allmählich die Gunst der Besucher. Derzeit gehört es zu den meistbesuchten Denkmälern in der Region Pardubice und auch landesweit.

1993 wurde das Museum um ein weiteres Areal – das heutige Denkmalschutzgebiet Betlém in Hlinsko – erweitert. Dies umfasst ein städtebaulich einzigartiges Ensemble von überwiegend gezimmerten Häusern aus dem 18. und 19. Jahrhundert in der Innenstadt von Hlinsko, die von einer vollständigen Zerstörung bedroht wurden. Die ersten Gebäude wurden bereits 1731 urkundlich erwähnt. Ende der 1980er Jahre setzte sich zum Glück die Meinung durch, diesen außergewöhnlichen Komplex für kommende Generationen zu erhalten. Das Freilichtmuseum Vysočina wurde mit den Rettungsarbeiten beauftragt. Die ersten Gebäude in Betlém in Hlinsko wurden 1993 für Besucher geöffnet.

Dank dessen verwaltet das Freilichtmuseum Vysočina jetzt nicht nur übertragene Bauwerke (hauptsächlich auf dem Ausstellungsgelände Veselý Kopec), sondern auch Denkmäler an ihrem ursprünglichen Standort (dem Denkmalschutzgebiet Betlém Hlinsko) und bietet deren Besichtigung an.

Veselý Kopec

Veselý Kopec ist ein anmutiger Ort an der Grenze zwischen dem Eisengebirge und dem Saargebirge. Hierher wurden seit den 1970er Jahren Gebäude aus einem Teil der Region České Horácko gebracht. Das einzige Objekt, das an seiner ursprünglichen Stelle steht, ist das Gehöft der Familie Pilný Nr. 4, das einer der ältesten Zeugen der Volksarchitektur im Eisengebirge ist. Die hiesigen gezimmerten Häuser zeugen von Wohnen und Wirtschaft von Kleinbauern zwischen der Mitte des 19. und der Mitte des 20. Jahrhunderts.

In Veselý Kopec ist auch einzigartige Sammlung von wasserkraftbetriebenen technischen Denkmälern konzentriert. Dazu gehören eine Mühle mit Pflaumenmus-Kochanlage und Graupenstampfe, eine Lohstampfmühle, eine Ölmühle und ein Sägewerk. Diese Bauwerke sind an einem ursprünglichen Mühlbach angeordnet, der bereits im 16. Jahrhundert in Veselý Kopec errichtet wurde. Zu einzigartigen Gebäuden gehört auch die polygonale – vierzehneckige – Scheune, die aus Sádek bei Polička übertragen wurde. An der ursprünglichen Stelle wurde sie 1684 erbaut.

Das Freilichtmuseum Veselý Kopec ist Veranstaltungsort für viele Programme, die verschiedene Bereiche der Volkskultur präsentieren. Zu den beliebten Programmen gehören Vorführungen des Volksbrauchtums (Faschingsumzug, Frühlings- und Weihnachtsbräuche), Vorführungen von Handwerken, der ländlichen Nahrung oder Verarbeitung von landwirtschaftlichen Nutzpflanzen etc. Es gibt auch spezielle Programme für Familien mit Kindern. Bei einem Besuch in Veselý Kopec können alle Besucher die ursprüngliche Landschaft genießen, die an diesem Ort erhalten wurde.

Betlém

Das Volksarchitektur-Denkmalschutzgebiet namens Betlém befindet sich in Hlinsko am rechten Ufer des Flusses Chrudimka. Seit der Mitte des 18. Jahrhunderts bauten sich hier Kleinhandwerker ihre gezimmerten Häuser. Die Karte des Franziszeischen Katasters von 1839 zeigt, dass die Erbauer ein gezimmertes Haus neben dem anderen errichteten, für kleine Vorgärten war kaum noch Platz. Das ursprünglich vorherrschende Handwerk der Einheimischen war die Töpferei, Ende des 19. Jahrhunderts überwog die Weberei. Neben diesem Handwerk lebten und arbeiteten hier Schneider, Kürschner, Spielzeugmacher, Sattler, Schuhmacher, aber beispielsweise auch ein Krämer, Barbier oder eine Hebamme.

Ab Ende des 19. Jahrhunderts und vor allem im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts wurde Betlém zum Wohnort von Fabrikarbeiterfamilien. Wie durch ein Wunder behielt dieser Stadtteil von Hlinsko bis in die 1980er Jahre sein ursprüngliches Stadtbild. Dank der Bemühungen von Denkmalpflegern und einigen anderen Enthusiasten konnte 1987 zumindest ein Teil der Gebäude gerettet werden. Seit 1989 ist Betlém Teil der Volksarchitektursammlung Vysočina, heute Freilichtmuseum Vysočina. Die ersten renovierten Häuser wurden 1993 für Besucher geöffnet, und 1995 wurde ein Teil von Betlém zum Denkmalschutzgebiet erklärt. Die Instandsetzung der Gebäude konnte dank eines Projektes, das 2012 aus Mitteln des Regionalen Operationellen Programms Nordost mitfinanziert wurde, abgeschlossen werden.

In den zugänglichen gezimmerten Häusern können Sie Werkstätte und Wohnungen eines Webers, Spielzeugmachers, Schuhmachers, Feilenhauers oder Fabrikarbeiters besichtigen. In einem der Häuser finden Sie auch eine Ausstellung zu dörflichen Faschingsumzügen und -masken aus der Umgebung von Hlinsko, die in die Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der UNESCO eingetragen sind. Die Ausstellungen sind das ganze Jahr über geöffnet, und Schulen können das ganze Jahr über an speziellen Programmen teilnehmen, die gemeinsam als Living History bezeichnet werden. Neben den Häusern mit den genannten Ausstellungen können Sie eine funktionierende Weberei in Betlém besuchen, die Chenille-Schals und andere handgewebte Accessoires herstellt.